1000 Nazis auf Rechtsrockkonzert

1000 Nazis auf Rechtsrockkonzert
Eine Woche nach dem Kategorie C Konzert in der 400 Seelen Gemeinde Nienhagen (Sachsen Anhalt) fand hier am Samstag den 16. Juli ein weiteres, diesmal international organisiertes Rechtsrockkonzert mit breiter Mobilisierung statt.
Auf der eigens angelegten Seite: „transatlantic-line.info“ wurde für das menschenverachtende Spektakel geworben. Angekündigt waren fünf neofaschistische Bands, Youngland (USA), Legion of St. Georg (GB), White Ressitance (D ), Sturmtrupp(D) und Nordfront (D). Organisatoren waren die Neonazi-Konzertveranstalter Oliver Malina und Marcus Winter, die bereits Erfahrungen in der Organisation solcher Events haben. In der „Alten Hopfendarre“, 200 m vom Ortsausgang von Nienhagen entfernt, finden seit vielen Jahren Rechtrock-Konzerte statt. So auch erst am 09.07.2011, eine Woche zuvor, als Kategorie C das Dorf mit ihren rechten Parolen beschallten.

Gekommen sind am Samstag dann ca. 1000 Nazis. Anfangs schien es ganz nach einem Reinfall auszusehen, doch gegen 17 Uhr füllte sich der Platz vor der etwas klein geratenen Bühne dann doch schlagartig. Der Eintritt von 20 € an der Abendkasse sollte für die Finanzierung des jährlich stattfinden Naziaufmarsches in Bad Nenndorf genutzt werden.
Überall im Ort standen aufgestellte Ordner, die die Anreisenden in die angrenzenden Seitenstraßen verwiesen. Für die Konzertorganisation machte Malinas die Kameradschaft Honour&Pride (H&P) verantwortlich, eine 2005 in Salzgitter gegründete Vereinigung aus Niedersachsen. Deren weibliche und männliche Angehörige trugen einheitliche beigefarbene Shirts. Sicherheitskräfte einer angeblichen Security-Firma aus Wolfsburg übernahmen gemeinsam mit den H&P-Leuten die Einlasskontrollen. Er habe keine Probleme mit den Neonazi-Auftraggebern, betonte der anwesende Geschäftsführer der Sicherheitsfirma, deren Firmendaten im Internet oder in Telefonbüchern ohne weiteres nicht zu finden sind. In der Autostadt ist die Firma nicht bekannt, glichen doch einige der anwesenden Mitarbeiter ohnehin dem Konzertklientel sehr.
Am Abend waren 5 Hundertschaften der Polizei unterwegs, nach eigenen Angaben hielten diese sich aber zurück. Insgesamt ist es eher ruhig in den Gegenden um Nienhagen geblieben. In Halberstadt wurden Scheiben vom Lolo´s Hof, einem Nazitreffpunkt und Npd-Bürgerbüro, sowie dem Lokal „Zum Absacker“, einem stadtbekannten Nazitreffpunkt, eingeschlagen.
Das Kategorie C Konzert ein Woche zuvor war mit ca. 300 Besucher_innen deutlich kleiner, als das Transatlantik-Line Konzert. Aber an rechtsradikalen Background fehlte es auch hier nicht. Die Band, die sich seit Jahren versucht aus politischen Themen heraus zu halten, aber ihr Image Jahr für Jahr bröckeln ließ, bewies am 09. Juli wieder einmal mehr, wo sie steht. Neben einem Geburtstaglied für ihren Gitarristen „Reiner“ wurde auch „Hoch auf dem gelben Wagen, sitz ich beim Führer vorn“ gesungen und „Schwarz, weiß rot bis in den Tod“ gegrölt. Natürlich machte das Publikum fleißig mit. Nienhagen, der Heimatort des „KC“-Bassisten Stefan „Ernie“ Behrens, ist seit Jahren Anlaufstelle für Neonazis.

Es muss weiterhin auf Nienhagen geschaut werden, da die Location mittlerweile eine bekannte Anlaufstelle für Nazis aus aller Welt ist. Des Weiteren ist es erschreckend, dass Nazis mittlerweile öffentlich Konzerte organisieren können, ohne mit verboten oder dergleichen rechnen müssen.
Wir dürfen keinen Rückzugsort oder Homezone für Nazis dulden und es sollte über eine Initiative gegen die Konzerte in Nienhagen nachgedacht werden, um in Zukunft eine bessere Infrastruktur und Gegenkultur zu schaffen.

Bühne in Nienhagen